Die View‑Master Stereo Camera Mark II
Für Liebhaber klassischer 3D-Fotografie ist die View‑Master Stereo Camera Mark II ein besonders interessantes Stück Fotogeschichte. Sie wurde Anfang der 1960er-Jahre für Sawyer’s hergestellt und ermöglichte es, eigene Aufnahmen für das bekannte View‑Master-System anzufertigen.
Eine Kamera für persönliche View‑Master-Scheiben
Die Mark II war als Nachfolgerin der View‑Master Personal Stereo Camera konzipiert. Ihr auffälligstes Merkmal sind die beiden nebeneinander angeordneten Rodenstock-Trinar-Objektive mit einer Lichtstärke von f/2,8. Gefertigt wurde die Kamera in Westdeutschland nach den Vorgaben von Sawyer’s.
Das robuste Metallgehäuse und die vergleichsweise einfache Bedienung machten sie zu einer ungewöhnlichen, aber durchaus alltagstauglichen Reisekamera. Eine Entfernungseinstellung war nicht notwendig, da die Mark II mit Fixfokus arbeitet. Die Belichtung wird über einen zentralen Einstellring geregelt.
Ein eingebauter Schutz verhindert versehentliche Doppelbelichtungen. Der spezielle Filmtransport sorgt außerdem dafür, dass der verfügbare Platz auf dem Film besonders effizient genutzt wird.
Film und Aufnahmen
Die Kamera verwendet handelsüblichen 35‑mm-Kleinbildfilm und war ursprünglich vor allem für Farbdiafilm vorgesehen. Eine Besonderheit der Mark II ist ihre ungewöhnliche Filmführung: Der Film wird im Inneren der Kamera schräg an den Objektiven vorbeigeführt.
Dadurch liegen die beiden zusammengehörenden Aufnahmen nicht wie bei gewöhnlichen Kameras nebeneinander. Sie werden diagonal versetzt und in zwei übereinanderliegenden Reihen auf dem Film belichtet. Nach der Entwicklung wirkt der Filmstreifen deshalb zunächst etwas ungewohnt: Die zusammengehörenden Bilder befinden sich an unterschiedlichen Positionen und müssen mit dem speziellen Mark-II-Filmschneider ausgestanzt werden.
Diese Konstruktion ermöglichte es, den verfügbaren Platz auf dem Kleinbildfilm besonders effizient auszunutzen. Auf einem Film mit nominell 20 Aufnahmen konnten laut historischem Sawyer’s-Katalog 40 Stereopaare aufgenommen werden. Ein 36er-Film lieferte bis zu 75 Bildpaare. Außerdem musste der Film – anders als bei der ursprünglichen View‑Master Personal Camera – nur einmal durch die Kamera transportiert werden.
Für die Mark II wurde ein eigener Filmschneider angeboten. Der ältere Filmschneider der Personal Camera eignet sich wegen der unterschiedlichen Anordnung der Bilder nicht für Mark-II-Aufnahmen. Die fertig montierten View‑Master-Scheiben sind dagegen vollständig kompatibel.
Vom entwickelten Film zur View‑Master-Scheibe
Nach der Entwicklung wird der Film nicht in gewöhnliche Diarahmen eingesetzt. Die einzelnen Bildpaare müssen mit dem passenden View‑Master Mark II Film Cutter ausgestanzt werden. Anschließend werden die kleinen Filmstücke mithilfe einer speziellen Pinzette in eine leere View‑Master-Scheibe eingesetzt.
Eine fertig bestückte Scheibe enthält sieben persönliche Motive und kann mit gewöhnlichen View‑Master-Betrachtern verwendet werden.
Beim Zubehör ist allerdings Vorsicht geboten: Der Filmschneider für die Mark II ist nicht mit den Aufnahmen der älteren View‑Master Personal Stereo Camera kompatibel. Die fertigen Scheiben sind dagegen bei beiden Kameras gleich und untereinander austauschbar.